APPsoluteGOLF.de
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Oktober 2017

 

von Liz von Bonin

 

 

Ganz natürlich

 

Widmen wir uns an dieser Stelle einmal einem eher schwierigen Thema: der Natur!Wir lieben sie, weil sie in all ihren vielen Facetten unsagbar schön und ein extrem gutes Beruhigungsmittel ist. Die Frage ist nur, ob wir sie auch immer gut behandeln.

 

Golfer werden ja oft belächelt und mitunter sogar herb kritisiert, wenn sie von ihren „naturbelassenen“ Plätzen sprechen. Die Mehrheit aller Deutschen lehnt in grandioser Unwissenheit nicht nur den als elitär geltenden Golfsport generell ab, sie ist auch felsenfest davon überzeugt, dass der Bau von Golfanlagen besorgniserregende Eingriffe in die Natur darstellt. Dazu nur soviel: Elitärer Golfsport? Ein einwöchiger, einigermaßen komfortabler Skiurlaub in einem schmucken 4-Sterne-Hotel kostet (inklusive Halbpension und Ski-Pass) etwa ebenso viel wie ein Jahresbeitrag in einem durchschnittlichen Golfclub. Und zum Eingriff in die Natur? 70.000 Hektar Skipisten werden in den Alpen jedes Jahr mit einem Wasserverbrauch von 280 Milliarden Kubikmeter künstlich beschneit; hinzu kommt ein fortwährender Ausbau von immer gigantischeren Liftanlagen – noch Fragen?

 

Zugegeben: Vor nicht allzu langer Zeit war Ökologie auf vielen Golfplätzen noch ein Fremdwort. Pflanzenschutzmittel und chemisch-mineralischer Dünger gehörten zur makellosen Platzpflege wie der Senf auf die Wurst. Ich erinnere mich an Abschläge und Grüns, die teilweise mit blauen, undefinierbaren Körnchen bedeckt waren; oder an kleine Bachläufe, in denen das Wasser aufgeschäumt wurde wie das in einer Großwäscherei – alles pure Chemie, oft auch noch verbunden mit einem unangenehmen Gestank.

 

Dummheit oder Habgier: Was ist wohl schuld daran, dass der Einsatz von unzähligen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft in den letzten Jahren immer weiter anstieg, die Biodiversität der Agrarlandschaft dagegen deutlich abnahm?

Nun, wenigstens bei den Golflandschaften haben sich die Zeiten positiv verändert. Nicht zuletzt auch durch Initiativen wie „Golf & Natur“ des Deutschen Golfverbands. Ein wenig gespritzt und gedüngt wird auf Golfplätzen zwar immer noch, doch die Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht, sind heute – im Gegensatz zur Landwirtschaft – sehr eng gesteckt.

Einer macht allerdings selbst bei diesen eng gesteckten Grenzen nicht mehr mit: Josef Hingerl, engagierter Betreiber der idyllischen Golfanlage Bergkramerhof im Süden von München. Er entschied sich vor zwei Jahren, den Platz nur noch hundertprozentig ökologisch zu pflegen. Kein Gramm Pflanzenschutzmittel oder chemisch-mineralischer Dünger sollte künftig noch eingesetzt werden.

Das bedeutete, bei aller Betreiber-Euphorie, zunächst gravierende Einschnitte in der Platzpflege. Viele Pflanzen und Gräser auf den Grüns und Fairways im Bergkramerhof waren längst zu Junkies geworden und fanden es anfangs offenbar gar nicht so amüsant, dass man ihnen so mir nichts, dir nichts den „Stoff“ entzog, an den sie sich doch so sehr gewöhnt hatten. Plötzlich sollten sie für ihr Wachstum und ihre Gesundheit selbst verantwortlich sein.

 

Und der „Entzug“ zeigte Folgen: ausdauernder Schneeschimmel, Pilzkrankheiten wie etwa der strohige Dollarspot auf den Grüns, Löwenzahn-Idyllen auf den Fairways – über viele Wochen, ja Monate hinweg ein purer Albtraum. Viele Clubmitglieder verloren die Geduld und drohten mit Kündigung ihrer Mitgliedschaft: „Josef, schmeiss' endlich wieder etwas Chemie auf den Platz, sonst sind wir weg.“ Nun mag so etwas bei „normalen“ Clubbetreibern funktionieren, bei „sturen“ allerdings nicht. Und Josef Hingerl zählt zweifellos zu letzteren. Er wollte – in einer gewagten Mischung aus Liebe zur Natur, einer Spur Wahnsinn und einer Menge Mut – auf Biegen und Brechen einen rein ökologischen Golfplatz.

 

Zunächst setzte er auf den Grüns ein UVC-Lichtgerät ein, dessen Bestrahlung Gräser nachweislich vor Pilzbefall schützt und im Wachstum unterstützt. Im letzten Jahr engagierte er dann den renommierten schottischen Headgreenkeeper Gordon Johnston, einen wahren Pflanzenflüsterer. Und der bekam mit seinem Team den arg gebeutelten Platz tatsächlich in den Griff. Nach einer intensiven Wachstumsperiode im Frühjahr ist das Spiel auf den Grüns, die nur noch mit Handmähern geschnitten werden, wieder ein ungetrübter Genuss. Und die kleinen Löwenzahninseln auf den Fairways? Bereits deutlich reduziert und in Kürze nur noch Vergangenheit.

 

Das Schönste kommt bekanntlich immer zum Schluss, so auch hier: Seit einigen Wochen gibt es auf dem Bergkramerhof eine Menge neuer „Clubmitglieder“ – in Form von fünf Bienenvölkern.

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