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Dr. Josef Hingerl, Rechtsanwalt, Präsident zweier Golfclubs und Geschäftsführer einer Betreibergesellschaft (Bergkramerhof), hat 13 bemerkenswerte Thesen für eine positive Entwicklung des Golfsports in Deutschland aufgestellt. Und er hält damit nicht hinter dem Berg. Einer der Punkte des Thesenpapiers: Abschaffung der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG). Die Reaktionen sind durchwegs positiv.

 

Exklusiv auf appsolutegolf.de:

das Thesenpapier sowie die Anschreiben an den DGV, an den Bayerischen Golf Verband, an deutsche Golfclubs und Betreiberanlagen

 

1. Das Anschreiben

 

Thesen zur derzeitigen und zukünftigen Situation am Golfmarkt

 

Sehr geehrter Herr Präsident Nothelfer,

sehr geehrter Herr Präsident Löhlein (Bayern),

sehr geehrte Präsidentinnen und Präsidenten der deutschen Golfclubs,

sehr geehrte Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von Betreiberanlagen,

 

derzeit vertrete ich als Präsident zweier Golfclubs und Geschäftsführer einer Betreibergesellschaft drei Mitglieder des Deutschen Golf Verbands. Nachdem sich der DGV im Jahre 2013 zum ersten Mal in den Regional-veranstaltungen ernsthaft mit der bedrohlichen Situation für Clubs und Betreibergesellschaften auseinandersetzte, habe ich an der Veranstaltung am Flughafen München am 16. November teilgenommen. Für diese sehr offene und informative Veranstaltung bedanke ich mich. Ich werde an weiteren Veranstaltungen gerne teilnehmen.

 

Dieses Schreiben erfolgt auf dem Briefkopf meiner Anwaltskanzlei, da ich seit 16 Jahren (Golfhotel Fahrenbach etc.) mit der Sanierung von Golfanlagen befasst und nicht nur allein deren Geschäftsführer bin. Insofern sind mir die mehr als problematischen Verschränkungen zwischen Clubs und Betreibergesellschaften bestens geläufig. Wir Anwälte dürfen inzwischen sogar um konkrete Mandate werben, wie vor kurzem der Bundesgerichtshof entschieden hat (siehe Urteil vom 13.11.2013, Aktenzeichen I ZR 15/12). Aber verschonen Sie mich bitte mit Aufträgen, denn ich habe genügend zu tun, insbesondere als Geschäftsführer von zwei Betreibergesellschaften. Allerdings bin ich als täglich Lernender, gerade im Golfbereich, immer für ein Gespräch dankbar (Funknummer: 0171-4304433).

 

Es gibt verschiedene Kategorien von Golfanlagen, und zwischen den unterschiedlichen Interessenlagen müssen wir klar unterscheiden:

 

  • Der ursprünglich klassische Club war dadurch geprägt, dass seine Mitglieder die Investitionskosten auf den Tisch legten. Danach musste man nur noch den Betrieb operativ am Laufen halten. Die Investitionskosten brauchten nicht erwirtschaftet zu werden. Doch inzwischen haben sogar einige dieser Anlagen wirtschaftliche Probleme.

 

  • Danach kamen die Betreibergesellschaften, die anfangs noch einen Club für die Mitgliedschaft im DGV brauchten. Diese Konstellation ist die unglücklichste, weil hier eine Vereinskonstellation mit einer Unter-nehmenskonstellation zusammentrifft, was auf die Dauer nur in den seltensten Fällen gutgehen kann. Es ist schon schwer genug, eine Anlage rein betriebswirtschaftlich überlebensfähig zu halten. Wenn dann auch noch unternehmensfremde Momente einfließen, ist eine erfolgreiche Führung der Golfanlage regelmäßig gefährdet.

 

  • Die dritte Kategorie, die nur betreibergeführten und rein gewerblichen Anlagen, sind dagegen klar im Vorteil und deshalb auch erfolg-reicher (Beispiel Golfrange etc.).

 

Meine Sicht der Dinge resultiert aus leidhaften eigenen Erfahrungen, die mich zwangen, mich mit der Materie Golf noch gründlicher zu beschäftigen. Ich bin dabei dennoch sehr zuversichtlich, wenn wir nur einige wenige Punkte herauskristallisieren – etwa dass Golfen weniger Sport als ein Lebenselexier ist und diejenigen, die aus dem Berufsleben heute ausscheiden, die interessantesten potentiellen Golfer sind. Sie haben Zeit und Geld, und wir bieten in unserem Club dafür frische Luft, Bewegung (also Gesundheit) eine neue Herausforderung und – einfach unschlagbar – rund 600 Gleichgesinnte. Gerade nach dem Ausscheiden aus dem Beruf braucht der Rentner, Pensionär, Unternehmer einen sozialen Ausgleich; seine Berufskollegen werden ihm fehlen. Auch das nach vielen Jahren plötzlich ungewohnte Alleinsein mit der Partnerin/dem Partner zu Hause kann so vermieden werden. Bei Betrachtungen im privaten Umfeld stellt man schnell fest, welche psychischen Verän-derungen diese Situationen nach einem langen Berufsleben verursachen.

 

Auf die nachwachsenden Kinder und Jugendlichen brauchen wir nicht zu warten – wir haben heute und morgen die neuen Mitglieder vor der Haustür. Das Ziel von einer Million im DGV organisierten Mitglieder ist meines Erachtens in fünf Jahren zu erreichen, wenn wir es vor Ort und gemeinsam mit dem DGV anpacken. Wir müssen uns nur einig sein, welches Produkt wir an wen verkaufen. Und wir müssen uns nach dem Markt richten. Denn: Der Markt richtet sich nicht nach uns. Deshalb müssen wir Veränderungen im Golfgeschehen immer aufmerksam beobachten.

 

Packen wir es richtig an, sind wir schnell auf Erfolgskurs. Am Bergkramerhof habe ich im letzten Jahr 120 neue Mitglieder geworben. Das gibt Hoffnung und macht Mut.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Josef Hingerl

 

 

2. Thesen und Erklärungen

 

13 Thesen und Feststellungen zur Golfszene in Deutschland 2013/2014

 

  1. Der DGV stellte im Jahr 2013 endlich die richtigen Fragen.

  2. Die Mitgliederzahlen im europäischen Vergleich zeigen, dass wir etwas falsch machen.

  3. Es gibt schon längst kein wirtschaftliches Wachstum mehr bei den Golfanlagen; der Mitgliederzuwachs beruht im Wesentlichen auf der Zunahme der Fernmitgliedschaften.

  4. Wir brauchen eine neue Golfkultur, die wir gemeinsam erarbeiten müssen.

  5. Beendigung des Verdrängungswettbewerbs unter den Golfanlagen und Konzentration aller Kräfte auf neue Golfkunden.

  6. Kurzfristige und intensive Konzentration der Vermarktungsaktivitäten auf die Altersstufe 50+ (Best Ager).

  7. Exakte Definition des Produkts Golf, das vermarktet werden soll; eine Werbung ohne klare Kenntnis des Produkts bringt uns nicht weiter.

  8. Golfen ist für die wenigsten Golfer ein „Sport“, wir werben mit der falschen Marke; finden wir also einen besseren und werbewirksameren Begriff wie etwa „Golf ist Lebenselexier“ etc..

  9. Mehr Spaß und Freude am Golfen muss ermöglicht und propagiert werden.

10. Ganzjahresbetrieb als Zielsetzung, um die Kunden zu binden

11. Golfplätze als Kommunikationszentren für die mittelständische Wirtschaft

12. Förderung der Fernmitgliedschaften zum Abbau von psychologischen Barrieren (Vorurteilen) und zur breiteren Durchdringung des Golf-Marktes

13. Abschaffung der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) oder Umbau in ein Unternehmen zur Vermittlung von Fernmitgliedschaften für die Golfanlagenbetreiber; die VcG selbst darf keine eigenen Billigmitgliedschaften ohne regulären DGV- Golfausweis verkaufen

 

 

Die Thesen und deren Feststellungen begründe ich wie folgt:

 

Zu 1

Der DGV stellte im Jahre 2013 endlich die richtigen Fragen

Es wird, wie etwa auf der Regionalveranstaltung am Flughafen München, vom DGV immer noch behauptet: „Mit dem Wachstum stehen wir gut da.“ Diese Information ist nicht richtig. Doch wenigstens besteht beim DGV jetzt die Einsicht, dass es allerhöchste Zeit ist zum Handeln. Das wiederum ist zu begrüßen. Die vom DGV zusammengetragenen Fakten sind sehr wertvoll.

 

Zu 2

Die Mitgliederzahlen im europäischen Vergleich zeigen, dass wir etwas falsch machen

Interessant war das Informationsmaterial, das wir erhalten haben (Wo steht „Golf in Deutschland“ 2013?). Im europäischen Vergleich haben 10 Länder die doppelte bis 7-fache Mitgliederzahl. Dabei sind wir eines der reichsten und sport-aktivsten Länder Europas.

Es wird Zeit, dem Golfen die gebührende Stellung in unserer Gesellschaft zuzuweisen. Die Marke „1 Mio. Mitglieder“ ist in 5 Jahren erreichbar.

 

Zu 3

Es gibt schon längst kein wirtschaftliches Wachstum mehr bei den Golfanlagen. Der Mitgliederzuwachs beruht im Wesentlichen auf der Zunahme der Fernmitgliedschaften.

Nach den vielfältigen Informationen von Fachleuten zum Golfmarkt muss ich vermuten, dass wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Golfanlagen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Wie Dr. Billion in München richtig ausführte, brauchen wir für ein positives Image wirtschaftlich gesunde Anlagen. In letzter Zeit hörte man immer wieder von Insolvenzen, auch im Ballungsraum München. Das ist letztendlich darauf zurückzuführen, dass die Finanzkraft der Golfanlagen immer schwächer wurde. Nach den Schätzungen des DGV, die wir auf der Tagung in München erfuhren, dürfte es etwa 90.000 Fernmitgliedschaften geben, davon heute aktuell rund 23.000 VcG-Billigmitgliedschaften ohne regulären DGV-Ausweis. Wenn es mir bei einer Anlage innerhalb von drei Jahren gelang, 700 Fernmitgliedschaften abzusetzen und ich dabei in der bundesdeutschen Golfszene nicht allein geblieben bin, dann kann man einfach hochrechnen, dass die Zunahme der echten Mitglieder, also Nahmitglieder, längst zurückgeht. Aber nur diese Mitgliedschaften sichern das Überleben unserer Golfanlagen. Hier müssen wir wieder Fahrt aufnehmen.

 

Zu 4

Wir brauchen eine neue Golfkultur, die wir gemeinsam entwickeln müssen

Die ursprüngliche Golfkultur, die vom elitären Golfsport geprägt worden war, gibt es nur noch bei einzelnen Anlagen, die selbstverständlich ihre Daseinsberechtigung haben. Für den Großteil der Golfanlagen ist jedoch ein Paradigmenwechsel notwendig, der einen Zugang zu breiten Bevölkerungsschichten ermöglicht. „Golf ist ein elitärer Sport“ - dieses frühere, längst nicht mehr zutreffende Vorurteil muss schnellstmöglich abgebaut werden.

Reißen wir dort die Barrieren und Vorurteile nieder, wo sie aufgebaut worden sind. Das heißt vor Ort. Das ist dort einfacher und effektiver als nutzlose TV-Werbung mit Prominenten.

 

Zu 5

Beendigung des Verdrängungswettbewerbs unter den Golfanlagen und Konzentration aller Kräfte auf neue Golfkunden.

Der Verdrängungswettbewerb, insbesondere über den Preis, ist unsinnig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Golfer ständig über den Bierpreis etc. meckern. Die Statistik zeigt, dass die über 60-Jährigen, die weniger zu tun haben, hier ein herrliches „Betätigungsfeld“ finden. Ich habe im Golfhotel Fahrenbach einmal den Versuch gemacht und den Preis für Mitglieder/Golfer um 30 % gesenkt. Ergebnis: Sie sind weiter in die teurere Dorfwirtschaft gegangen.

Eine andere Erfahrung habe ich allerdings auch gemacht. Der Golfer hat ja ein besonderes Gespür für das Preis-Leistungsverhältnis. Als die Golfanlage Bergkramerhof zu Beginn meines dortigen Engagements in einem nicht sehr guten Zustand war (Bunker, Übungsflächen etc.), gab es unter diversen Mitgliedern ständig die Diskussion, ich sei bei der Jahresspielgebühr von 2.600 Euro um 200 Euro zu teuer. Die Nachbaranlage warb mit 1.500 Euro. Ich brachte den Platz schließlich in Ordnung, installiert unter anderem eine Indooranlage und erhöhte auf 2.750 Euro. Es gibt jetzt niemand mehr, der sich über den Preis beschwert.

Fazit: Wir müssen auch selbstbewusster mit unserem Produkt umgehen und intensiver an die Akquisition eines Neugolfers denken als an den Verdrängungswettbewerb. Mit jedem Neukunden gewinnen alle, unter anderem auch über die Greenfees.

 

Zu 6

Kurzfristige intensive Konzentration der Vermarktungsaktivitäten auf die Altersstufe 50 + (Best Ager)

 

Langfristige Verbandsarbeit wird sich sicher mit der Jugend und den Berufstätigen befassen müssen. Aber kurzfristig können wir vor Ort zugreifen auf diejenigen, die aus dem Arbeitsleben bald ausscheiden werden oder schon ausgeschieden sind.

Die Golfnachfrage bei den Altersklassen zeigt uns deutlich:

51-55 Jahre – Zunahme 15,1 %

Ab 61 Jahre – Zunahme 3,9 %

Bei diesen Zahlen können Sie sich die Abnahme bei den anderen Altersgruppen vorstellen oder nachlesen.

 

Greifen wir doch dort zu, wo sich etwas bewegt! Und warum bewegt sich dort etwas? Wir haben es diesem Kundensegment noch nicht einmal gesagt, was bei uns alles erwartet werden kann. Bis jetzt haben das diese Kunden selbst herausfinden müssen:

 

- Diejenigen, die aus dem Arbeitsleben ausscheiden, fallen erst einmal in ein Loch. Das Sterberisiko ist erheblich erhöht. Lassen wir die Leute doch lieber weich auf das herrliche Grün fallen. Das tut der Partnerschaft zu Hause viel besser: Der Rentner sitzt nach jahrzehntelanger beruflicher Abwesenheit plötzlich nicht nur zu Hause und langweilt seinen Lebenspartner.

 

- Diese älteren Leute, Best Ager genannt, können sich jetzt endlich mehr bewegen, nachdem sie die Jahrzehnte zuvor meist nur am Schreibtisch saßen.

 

- Auf dem Golfplatz haben sie endlich auch Zeit für besondere Naturerlebnisse; sie erleben endlich einmal die Schönheit der Jahrszeiten und hören die Vögel zwitschern.

 

- Das Schönste aber ist der Gedanke: Jetzt brauche ich neue Freunde, weil mein menschlicher Kontakt am Arbeitsplatz fehlt. Gehe ich jetzt abends in die Kneipe, wie früher als Student? Nein, der Golfplatz bietet mir 600 Gleichgesinnte, Grantler, Lebenskünstler, ehrgeizige Zocker, meist sympatische Menschen. Zu den unsympatischen lasse ich einfach drei Flights Abstand. Meine soziale Einbindung bis zum Lebensende ist gesichert.

 

Und zum Schluss die High-End-Vision: Wir verkaufen an einen 100-jährigen noch einen 10-Jahresvertrag, den dieser auch voll abspielt.

 

Zu 7

Definition des Produkts Golf, das vermarktet werden soll. Eine Werbung ohne klare Kenntnis des Produkts bringt uns nicht weiter.

 

Zu 8

Golfen ist für die wenigsten Golfer ein „Sport“. Finden wir einen richtigeren und werbewirksameren Begriff wie „Golf ist Lebenselexier“ etc. Wir werben mit der falschen Marke.

 

Jede Anlage hat ein anderes Gesicht, unterschiedlichste Menschen und hoffentlich auch ein Alleinstellungsmerkmal. Aber was ist das: Golfen?

 

Es ist sicher im Schwerpunkt nicht Sport im herkömmlichen Sinne wie Tennis, Fußball oder Tischtennis. Golf ist sehr viel mehr als ein Sport. Golf als echten Sport betreiben wahrscheinlich nur 10 % der Golfer. Dieser Anteil bestimmt aber im Wesentlichen das derzeitige Golfgeschehen. Für 90 % ist Golf ein Lebenselexier, Erhaltung der Gesundheit durch Bewegung in der Natur und die Freude, mit Freunden etwas zu unternehmen, ohne Behinderung durch Altersgrenzen. Aber das sagen wir den Leuten draußen nicht!

 

Wenn wir der Bevölkerung klar machen können, dass wir die größten Umweltschützer sind und das Golfspiel in allen Altersstufen die Gesundheit erheblich fördert, dann werden wir breite Gesellschaftsschichten gewinnen, auch die Politik.

 

Mit diesen Themen müssen wir sofort anfangen, am besten vor Ort. Aber auch der DGV kann hier öffentlichkeitswirksam tätig sein.

 

Zu 9

Mehr Spaß und Freude am Golfen muss propagiert werden

 

Wenn 90 % der Golfer nicht den sportlichen Teil des Golfens betonen, dann muss man diese anderweitigen Bedürfnisse eben verstärkt bedienen.

 

Freiherr von Spoercken sagte einmal zu mir: „Die Deutschen glauben, wenn sie besser Golf spielen würden, dann hätten sie mehr Spaß am Golfen. In Wirklichkeit sei es umgekehrt: Hätten sie mehr Spaß beim Golfen, würden sie besser spielen.“

 

Wir brauchen sicher nicht mehr Ehrgeiz in unserem stressigen Leben, sondern eher mehr Freude und Spaß.

 

Zu 10

Ganzjahresbetrieb als Zielsetzung, um die Kunden zu binden

 

Ich habe eine Indooranlage in eine ehemalige Scheune eingebaut (die gleichzeitig auch für größere Events genutzt werden kann), weil es mir um die älteren Golfer und deren Gesundheit und Kontaktbedürfnisse ging. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand, der im Sommer dreimal in der Woche Golf spielt und damit ziemlich fit ist, im November seinen Schläger in die Ecke stellt und im Winter dann einrostet. Ein Pro sagte mir, dass man den Schwung im Winter umstellt und nicht im Mai. Und was machen diese Leute ohne ihre Freunde? Wir müssen Golfen zum Ganzjahressport und zum Ganzjahreserlebnis machen! Was bringen das eigentlich die Schweden mit einem Bevölkerungs-Golferanteil von 5,08 % (Deutschland 0,76 %) hin? Im Dunkeln spielen die sicher nicht.

 

Die Indooranlage wird sich selbst kaum rechnen. Wenn wir aber ein Ganzjahresangebot haben, werden wir mehr Mitglieder generieren, und nur darum geht es.

 

Bei mir am Bergkramerhof ist es richtig lebendig geworden mit kulturellen Veranstaltungen, kleinen Tagungen, Golfer- und sogar Skigymnastik, mit Tischtennis, Eisstockschießen, Langlaufloipe, Bridge und anderem mehr. Unsere Golfplätze liegen fast alle in einer sehr reizvollen Landschaft. Zeigen Sie den Menschen, wie schön und lebendig es bei uns ist.

 

Der Mitgliederzuwachs lag am Bergkramerhof im Jahre 2013 bei über 120. In den letzten 8 Jahren hatten wir 700 Mitglieder verloren, weil wir keine ansprechende Leistung erbracht haben und uns zudem Querelen im Club leisteten. Ich bin seit 3 Jahren Geschäftsführer und Präsident. Beide Personen gehen jetzt in eine Richtung.

 

Zu 11

Golfplätze als Kommunikationszentren für die mittelständische Wirtschaft.

 

Diese Idee wird man nicht auf allen Anlagen verwirklichen können. Aber unsere Kunden sind doch im Mittelstand verhaftet. Bauen Sie die Hemmschwellen dadurch ab, dass die Menschen zuerst zu anderen Veranstaltungen kommen. Mit Sicherheit werden sie dann neugierig. Wir müssen unsere Kunden abholen und nicht warten, bis sie kommen, weil sie ihre durch Vorurteile verursachte Hemmschwelle endlich überwunden haben. Das dauert zu lange.

Den vom DGV propagierten Spruch „Bringen wir das Golfen zu den Menschen“ müssen wir umdrehen: „Bringen wir die Menschen auf den Golfplatz“.

 

Zu 12

Förderung der Fernmitgliedschaften zum Abbau der psychologischen Barrieren und zur breiteren Durchdringung des Marktes.

 

Früher war auch ich wie viele der Ansicht, dass wir uns mit den Fernmitgliedschaften das Geschäft selbst verderben. Seit einigen Jahren verschleudere ich dennoch in Fahrenbach Fernmitgliedschaften aus existentiellen Gründen (nur 185 Nahmitglieder). Ohne diese Fernmitgliedschaften hätte die Anlage nie eine Überlebenschance gehabt. Die Veranstaltung des DGV in München am 16.11.2013 hat mich restlos davon überzeugt, dass wir alle über die Fernmitgliedschaften nur gewinnen können: In England soll der Verband kurzfristig nicht organisierte Golfer in Fernmitgliedschaften gebunden haben. Das waren dann 33.000 Fernmitglieder ohne Golfplatz, wie bei der VcG. Infolge des Widerstands der Clubs wurde das wieder abgeschafft. Nur ca. 100 dieser so generierten Fernmitglieder sind bei einem Club gelandet. Einen klareren Beweis gibt es doch nicht, dass Fernmitgliedschaften kaum zu Nahmitgliedschaften führen. Aber andererseits gab es auch keine Abwanderung von den Nahmitgliedern zu den Fernmitgliedern. Auch bei der VcG sollen nur etwa 1.200 bis 1.400 Mitglieder jährlich zu unseren Clubs wechseln. Das ist sehr mager.

 

Gleichwohl dürfte jedes Fernmitglied ein Botschafter für Golf sein und damit Vorurteile abbauen.

 

Entscheidend ist, dass die Golfanlagen von den Fernmitgliedschaften profitieren und nicht diejenigen, die keinen Golfplatz betreiben.

 

Zu 13

Abschaffung der VcG oder Umbau in ein Unternehmen zur Vermittlung von Fernmitgliedschaften für die Golfanlagenbetreiber. Die VcG selbst darf keine eigenen Fernmitgliedschaften verkaufen.

 

Ich sehe im Augenblick keinen Grund, dass die VcG (sie vertreibt die schlechtesten Fernmitgliedschaften, nämlich ohne Golfplatz) für die DGV-Mitgliedsanlagen einen besseren Vermarktungseffekt bei Fernmitgliedschaften bringt als in dem Fall, dass die VcG-Mitglieder direkt Fernmitglieder bei den Golfanlagen sind. Die VcG ist kein besserer Golfbotschafter als wir mit unseren eigenen Golfanlagen. Wir haben schon dadurch einen Vorteil, dass wir tatsächlich einen eigenen Platz vorzeigen können.

 

Die auf der Regionalveranstaltung in München genannten Zahlen lassen vermuten, dass insgesamt 90.000 Fernmitglieder über die VcG oder die Clubs (bzw. Händler) vermarktet werden. Die Händler verdienen mit unseren Golfanlagen dabei am meisten, obwohl sie nur den geringsten Aufwand haben. Ein Computer reicht da schon. Ich bin dafür, dass dieser Zwischenhandel ausgetrocknet wird. Geht man bei einer Fernmitgliedschaft davon aus, dass sie vom Händler für netto € 200 vermarktet wird und der Anlage € 100 bleiben, so reden wir über 90.000 x € 100, also über € 9 Mio, die den Golfanlagen fehlen. Damit kann man auf unseren Anlagen etwas anfangen. Business is regional, wie Dr. Billion sagt.

 

Was Sinn machen würde: Wir geben unsere freien Kontingente an die VcG (wenn sie erhalten werden soll) und diese vermarktet die Fernmitgliedschaften für uns. Dafür soll sie auch ruhig eine Vermarktungsprämie erhalten. Aber sonst bleibt alles bei uns, den Golfanlagen. Natürlich wird es auch unter uns einen Wettbewerb geben. Den haben wir aber relativ gut in der Hand.

Ganz lustig fand ich den Billion-Newsletter vom 6.1.2014, der zeigt, wie raffiniert die Händler zu vermeiden versuchen, dass wir die Namen unserer eigenen Fernmitglieder erfahren, die über den Händler vermarktet werden. Besser kann man nicht dokumentieren, dass mit unseren Golfplätzen Schindluder getrieben wird. Aber das können wir leicht ändern, und dann bestimmen wir selbst über die VcG die Preise für die Fernmitgliedschaften.

 

Ein Schlag ins Gesicht der Golfclubs ist die letzte Werbung der VcG zur Golfmesse in Stuttgart (liegt bei). Ich befinde mich im Tollhaus, wenn ich mir vergegenwärtige, dass mein eigener Golfverband über seine gewerbliche Gesellschaft allen seinen Mitgliedern durch Niedrigstpreise Konkurrenz macht und das ohne irgendwelche nennenswerten Aufwendungen, ohne eigenen Golfplatz. Für € 149 wird die Mitgliedschaft verschleudert! Das muss beendet werden.

 

 

Vorschlag

 

Über Tagungen und Gremien sollten folgende Schwerpunktthemen vorangebracht werden:

 

  1. Definition der Marke Golf (was vermarkten wir?)

  2. Bestimmung von Zielgruppen, die kurzfristig als Mitglieder gewonnen werden können

  3. Erarbeitung von Marketinginstrumenten zur Erreichung eines Mitgliederstandes von 1 Mio innerhalb von 5 Jahren

  4. Klärung, ob die Aufgabe nach Ziff. 3. von der VcG besser bewältigt werden kann als vom DGV

  5. Vermarktung von Fernmitgliedschaften über die VcG

  6. Abschaffung der VcG-eigenen Fernmitgliedschaften, bei denen kein regulärer DGV-Ausweis angeboten wird

 

 

Ich freue mich auf einen weiteren Gedankenaustausch.

 

Wolfratshausen, den 16.1.2014

 

Dr. Josef Hingerl

(Präsident, Geschäftsführer, Rechtsanwalt, Insolvenzverwalter, Golfer)

 

Hingerls Golfanlage Bergkramerhof, südlich von München

 

 

 

3. Reaktionen

 

Von: C. Thiemann Golf & Country Club Brunstorf [mailto:c.thiemann@golfclub-brunstorf.de]
Gesendet: Freitag, 31. Januar 2014 17:12
An: hingerl@hingerl.com
Betreff: Thesen Golfmarkt

 

Sehr geehrter Herr Hingerl, lieber Kollege,

 

ich schreibe Ihnen heute in meiner Eigenschaft als alleiniger geschäftsführender Gesellschafter einer Betreibergesellschaft und als Präsident einer 27 Loch Golfanlage im Süden Schleswig Holsteins. Zu Ihrem Schreiben kann ich Ihnen nur gratulieren. Selten habe ich in den vergangenen Jahren etwas Vernünftigeres gelesen als Ihre Thesen und Feststellungen. Ohne jetzt auf jeden einzelnen Ihrer Punkte konkret einzugehen, möchte ich zwei Punkte herausgreifen:

 

1)      Die totale Focussierung des DGV auf den Sport und die Olympischen Spiele 2016, die uns als der Heilsbringer verkauft werden: Als 2-facher Teilnehmer an olympischen Sommerspielen (Funktionär) kann ich Ihnen mitteilen, daß der olympische Funke in die Golfgemeinschaft nicht überspringen wird. Dies hat in anderen Profisportarten (z. Bsp. Tennis) auch nicht funktioniert. Dies muß sich auch in der Werbeaussage des DGV wiederfinden, denn Sie haben völlig Recht nur die wenigsten betreiben Golf als richtigen Sport.

2)      Fernmitgliedschaften und VCG: Wir müssen die Fernmitgliedschaften aus der Schmuddelecke holen und legalisieren. Es gibt sie und sie haben für viele Leute auch ihre Berechtigung. Ihren Vorschlag dies offiziell über die VCG zu tun, habe ich bereits vor einigen Jahren einmal vorgeschlagen, bin jedoch damit kläglich gescheitert. Das bestehende System gibt uns die Möglichkeit über 300.000 zusätzliche Ausweise auszugeben, ohne irgendetwas zu ändern. Jeder Verein kann nach eigenem Ermessen eine ihm genehme Anzahl von Ausweisen in das System geben, die dann zentral gegen eine Gebühr von der VCG vermarktet werden. Die Erlöse fließen dann dem Verein zu. Vielleicht ist die Zeit jetzt reif für diesen Vorschlag. Ich werde Sie hierbei gerne unterstützen.

 

  Auf die Reaktionen zu Ihrem Schreiben  insbesondere von DGV/VCG bin ich gespannt. Es wäre nett, wenn Sie uns weiterhin darüber informieren würden, ob die Punkte konkret in die Tat umgesetzt werden.

 

Gern stehe ich für Rückfragen oder weiteren Input zur Verfügung

 

Mit sportlichen Grüßen

Christian Thiemann

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Von: horst.doellinger@doellinger-architekten.de
Datum: 03.02.2014 10:24 (GMT+01:00) 
An: hingerl@hingerl.com
Cc: bd@gp-rbg.de
Betreff: Ihre 13 Thesen Golf 
 
Sehr geehrter Herr Dr. Hingerl,
 
Gratulation zu Ihren 13 Thesen zur Golfszene.
Als geschäftsführender Gesellschafter des 2012 eröffneten Golfpark Rothenburg-Schönbronn www.gp-rbg.de und www.hofgut-schönbronn.de kann ich Ihnen in vielen Punkten nur beipflichten.
Wir haben kein Präsidium, meine Tochter führt mit mir die Geschäfte, damit hat sich‘s. Unser Platz ist ganzjährig bespielbar, Zweitgrüns wurden angelegt mit Sommergrünqualität, Fairwaybewässerung und gute Übungseinrichtungen sind Voraussetzung, auch 3 Trainingsplätze Indoor.
In den 3 Jahren seit Eröffnung der ersten Bahnen haben wir bereits 280 Mitglieder gewinnen können und wir werden jährlich um weitere 100 Spieler wachsen.
Wir verstehen uns als Dienstleister und wollen Barrieren abbauen.
Leider ist das Image dieser Sportart immer noch schrecklich spießig, daran müssen wir alle arbeiten.
 
Ihre Überlegungen zu den Billig- und Fernmitgliedschaften sowie zur VCG finde ich sehr interessant.
Bisher haben wir uns noch nicht für Fernmitgliedschaften begeistern können und schon gar nicht für Kartenfirmen ohne Platz.
Die Umsetzung Ihrer Thesen 12 und 13 würden sicher einiges in Bewegung bringen.
 
Leider sind die Strukturen des DGV und der Landesgolfverbände noch sehr verkrustet und waren zu Zeiten des Golfbooms angemessen. Wir könnten gänzlich auf die Gängelung verzichten, auch auf das unmögliche Kartensystem mit den Hologrammen.
 
Durch Ihre Initiative ist zu erkennen, dass sich doch was bewegt.
Weiter so,
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Horst Döllinger
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