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Sind Golfer bessere Menschen?

 

Und die richtige Antwort gleich vorweg: Nein, sind sie natürlich nicht! Golfer sind genau so gut oder miserabel wie jeder andere Erdenbürger auch. Was allerdings ebenso richtig ist: Manche Golfer fühlen sich so – wie ein besserer Mensch.

 

Wenn wir das Thema mal der Reihe nach aufdröseln, kommen wir zwangsläufig gleich zu einer ersten Feststellung: Schon die Frage alleine, ob Golfer bessere Menschen sind, ist genau genommen Quatsch. Sind Radfahrer oder Schachspieler bessere Menschen, Taxifahrer oder Briefträger, Zahnärzte, Kardinäle oder Sozialarbeiter? Googeln Sie mal nach „bessere Menschen“ – da werden Sie dann auch erfahren, weshalb Frauen ab 30 die besseren Menschen sind. Trotzdem ist es reizvoll, das Thema „Gutmensch Golfer“ einmal näher zu beleuchten, denn appsolutegolf.de ist ja schließlich kein Bäcker-Magazin. Dann nämlich müsste die Frage lauten – na, Sie wissen schon …

 

Einfach nur gut?

 

Auf der Homepage eines deutschen Golfclubs steht, dass irgendein dusseliger Mediziner 1938 behauptet habe, „das Golfspiel verjüngt den Körper und macht bessere Menschen“. Den gesundheitlichen Aspekt lassen wir teilweise ja noch durchgehen, doch was den zweiten Teil des Satzes betrifft – guter Medizinmann: setzen, sechs!

Wenn „besser“ die Steigerung von „gut“ ist (was Sinn macht), dann sei die Frage erlaubt: Sind Golfer gute Menschen? Antwort: Sie sind genau so gut oder miserabel wie … (siehe oben).

Und jetzt drücken wir den Reset-Button und kommen gleich zur Gretchenfrage: Muss man eigentlich immer gleich besser sein? Reicht nicht einfach nur – gut?

Der italienische Schriftsteller Luciano di Crescenzo („Also sprach Bellavista“) schrieb: „Wir Menschen sind Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir uns umarmen.“ Und kein Mensch fragt danach, ob der Flügel des einen gut und der des anderen besser ist. Und Engel sind wir natürlich auch nicht alle. Mal ehrlich: Manchmal schummeln wir uns vom Fegefeuer bis in die himmlischen Sphären doch einfach nur so durch – immer in der Hoffnung, mit der einen oder anderen guten Tat den Heizkesseln von Luzifer zu entkommen.

 

Besser als was?

 

Die Frage sei erlaubt: Was ist eigentlich ein „besserer Mensch“? Eine passende Definition hat vielleicht Georg Christoph Lichtenberg gefunden: „Sie fühlen mit dem Kopf und denken mit dem Herzen.“ Dazu nur zwei Beispiele: Franz von Asisi und Mutter Teresa haben nach dieser Maxime gelebt. Die Päpste der Inquisition und Adolf Hitler nicht.

Ist jemand, der einem Bettler aus Mitleid einen Euro in den Hut wirft, nun ein guter Mensch – und jener, der fünf Euro gibt, ein besserer? Oder poliert man damit nur sein Mitgefühl, seine soziale Ader?

Friedrich Nietzsche wird beim Begriff des Gutmenschen oft bemüht: "Es ist der Mensch, der stets das Gute will und gerade deshalb das Schlechte fördert. Es ist der Mensch, der seiner lauteren Gesinnung folgt und an der Wirklichkeit scheitert. Es ist der Mensch, der die Folgen seines Handelns anderen überläßt. Es ist der Mensch, der es gut meint und die böse Welt immer wieder gegen sich hat."

Im Laufe eines längeren Golferlebens habe ich – speziell bei Wohltätigkeits-Turnieren – drei Sorten von Golfern erlebt. Typ 1: freundlich, offen und hilfsbereit auf dem Platz; nimmt das Spiel gelassen, weil er begriffen hat, dass Golf eben nur eines ist – ein schönes Spiel; spendet gerne und großzügig und macht nicht viel Wind daraus. Typ 2: leicht autistisch auf der Runde, wortkarg bis zur Schmerzgrenze; knauserig wenn es darum geht, ein paar Euros in den Spendentopf zu werfen. Typ 3: ein vorlauter Jammerer, der jeden seiner Schläge kommentiert und der Meinung ist, dass er eigentlich auf der European Tour spielen sollte; betrügt während des Spiels seine Flightpartner wie der einstige US-Finanzhai Max Madoff seine Anleger; spendet mit großer Geste nach dem Motto: Tue Gutes und rede oft und laut darüber.

 

Feine Unterschiede?

 

Beim besseren Menschen – beschränken wir uns also auf den Golfer und die Golferin und nicht auf all die anderen besseren Menschen – gilt es, erstens, zu unterscheiden, ob sich der Golfer (die Golferin) explizit als besserer Mensch fühlt, weil er (sie) Golf spielt und nicht „Hallenhalma im Stehen“ oder Fußball oder Tischtennis, oder ob er (sie) besser ist, weil, zweitens, bei so genannten Charity-Turnieren (vulgo: Wohltätigkeitsveranstaltungen) oft Geld eingespielt wird für bedürftige Mitmenschen.

Gleich zum ersten Aspekt: Natürlich ist Golf in Deutschland nach wie vor kein Breitensport, sondern – jedenfalls mehrheitlich – eine sportive Freizeitbeschäftigung für Menschen, die ein wenig mehr Geld haben als andere. Und daran ist überhaupt nichts auszusetzen, das gab es immer und wird es immer geben. Demzufolge sehen natürlich die Clubhäuser von Golfanlagen meist auch etwas edler aus als die von Fußball-, Tischtennis- oder Hallenhalmavereinen. Und auf den vergleichbaren Parkplätzen sehen eben auch die Autos etwas anders aus. Nun mag der eine oder andere Golfer durchaus seine niederen Instinkte ausleben und sich aus den vorgenannten Gründen einfach besser (oder „edler“) fühlen als der Fußballer oder Tischtennisspieler. Lassen wir ihm dieses Gefühl.

 

Für den guten Zweck?

 

Der zweite Aspekt: die Wohltätigkeit, heute besser bekannt unter „Charity“. Wann der Boom der Wohltätigkeits-Golfturniere genau begann, lässt sich nicht mehr so genau feststellen. Gut, mag es um die Jahrtausendwende gewesen sein. Wohltätigkeits-Golfturniere ohne Ende, das schwappte alles nur so über. Oft auch inszeniert von „besseren“ Unternehmen, die sich einen werblichen Erfolg davon versprachen. Ich habe nie gehört, dass der „Schachclub Strödel-Mausheim“ oder der „Tischtennisverein Kleiner Ball“ jemals einen Charity-Event zugunsten von irgendetwas veranstaltet haben. Beim Fußball kenne ich das. Da gibt es dann ein Abschiedsspiel für einen ehemals begnadeten Balltreter, der künftig nur noch in eine Richtung tritt – in den Ruhestand. Doch seit (2010) die Kosten für Golfturniere keine abzugsfähigen Betriebsausgaben mehr sind, hat auch die Bereitschaft zur Wohltätigkeit etwas nachgelassen.

Treten Golfspieler bei einem Turnier an, bezahlen sie eine zusätzliche Startgebühr – und spielen, wie es so schön heißt, bei Charity-Turnieren für den „guten Zweck“. Nebenbei: Manchmal ist auch der Veranstalter selbst ein Teil des guten Zwecks. „Aber das ist“, um mit Thomas Mann zu sprechen, „eine andere Geschichte.“

Natürlich bezahlt nur der „gemeine“ Golfer die Startgebühr – nicht der prominente Spieler, der zum Turnier eingeladen wird, um bei den Nobodys in den Clubs die Bereitschaft zur Spielteilnahme zu erhöhen. Wobei es dem normalsterblichen Golfer oft schon genügt, wenn auch die Semi-Prominenz (man spricht hier von der B- und C-Klasse) an dem Turnier teilnimmt. Es gibt Charity-Vereine, die bieten Ex-Promis, deren Halbwertzeit längst überschritten ist, für Turniere gleich im Package an.

 

Schlichte Formel?

 

Was von der Startgebühr (im Allgemeinen nach Abzug der Club-Platzmiete sowie der Kosten für die Rundenverpflegung und des abendlichen Dinners) und möglichen zusätzlichen Spenden übrig bleibt, kommt dann dem guten Zweck zugute, meist einer Stiftung für „bedürftige Mitmenschen“, „Kinder in Not“, „Waisenhäuser in Afrika“ und so weiter und so fort. Doch wie auch immer: Am Ende des Spieltages hat der Golfer das gute Gefühl, durch seine Turnierteilnahme geholfen zu haben – wem auch immer. Er hat sein Schärflein dazu beigetragen, dass es irgendjemandem auf diesem Erdenrund durch das Geld, das an diesem Tag eingenommen wurde, ein wenig besser geht. Und da darf man sich dann durchaus als besserer Mensch fühlen. Aber reicht das wirklich? Darf man Golfspieler auf diese schlichte Formel reduzieren?

Ehrlich gesagt: Die Frage, ob Golfer bessere Menschen sind, ist einfach nicht zu beantworten. Sie sind, auch wenn sie sich mitunter vielleicht so fühlen, nicht besser als alle anderen Menschen auch. Allerdings auch nicht schlechter. Und das ist ja schon mal etwas.

 

Fred König

 

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