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Im Endeffekt

 

Schaut man sich das „Official World Golf Ranking“ an und sucht dort nach deutschen Spielern, macht sich schnell Ernüchterung breit: Zwei österreichische, jedoch kein deutscher Golfer in den Top 100, Martin Kaymer liegt derzeit auf Rang 115. Tja, da bleibt nur noch der Endeffekt – und nach dem spielen wir seit Bernhard Langer im internationalen Golfzirkus keine Rolle mehr.

 

Apropos: Ist Ihnen eigentlich auch schon mal aufgefallen, dass bei Statements, Reden oder sonstigen simplen Gesprächen am Schluss, wenn man etwas auf auf einen sogenannten Nenner bringen möchte, immer häufiger das Wortpaar „im Endeffekt“ zu hören ist? Die End-Effektler sind ja nicht dumm, sie haben ja etwas zu sagen. Aber warum krönen sie ihr Statement immer mit dieser kuriosen Worthülse, die es erfreulicherweise noch gar nicht allzu lange gibt. Noch vor wenigen Jahren sagte man oft „zu guter Letzt, in letzter Konsequenz, letztendlich, alles in allem, schlussendlich, letzten Endes oder unter dem Strich“. Das waren noch Nenner!

 

Doch dann betrat vor einigen Jahren als finales Fazit plötzlich der Endeffekt die Bühne. Zu Zeiten unseres großen Dichterfürsten „JWvG“ noch ein absolutes Unding. Oder könnten Sie sich folgenden Monolog aus seinem „Faust“ (1. Teil der Tragödie) vorstellen:

 

Habe nun, ach! Philosophie,

Juristerey und Medicin.

Und leider auch Theologie!

Durchaus studirt mit heißem Bemühn.

Da steh' ich nun, ich armer Thor!

Und bin im Endeffekt so klug als wie zuvor.“

 

Nehmt eure Sprache ernst!“ forderte eine Weile später der große Friedrich Wilhelm Nietzsche. Genützt hatte sein Aufruf leider nicht viel. Die Sprache verflachte zusehends – und wirft eine bedeutsame Frage auf: Weshalb hat der Effekt im alltäglichen Sprachgebrauch nur ein Ende, nicht aber einen Anfang oder eine Mitte? Auch dabei gibt es doch Effekte. Nur ein Beispiel: Bei einem Anfangseffekt stünde die positive Meldung, dass Marcel Sch., Philipp M., Bernd R., Marcel S. und Max Sch. an einem Turnier der European Tour teilgenommen haben. Beim Mitte-Effekt würde festzustellen sein, dass die oben Genannten am Cut gescheitert sind. Bis es dann „im Endeffekt“ hieße, dass kein deutscher Golfer erfolgreich in das Spielgeschehen hatte eingreifen können.

Man kommt ins Grübeln und Grübeln und muss letztendlich zugeben, dass bei näherer Betrachtung tatsächlich schlussendlich, unter dem Strich und zu guter Letzt wirklich nur der „Endeffekt“ einen Sinn ergibt. Alle anfänglichen und mittleren Effekte wären hier bedeutungslos.

 

Erinnern wir uns kurz an Sätze berühmter Personen – und wie sie, die Sätze, vielleicht heute klingen würden. Etwa der von Winston Churchill: Golf ist ein Spiel, bei dem man einen zu kleinen Ball in ein viel zu kleines Loch schlagen muss, und das mit Geräten, die im Endeffekt für diesen Zweck denkbar ungeeignet sind.“

Oder John F. Kennedy, der am 26. Juni 1963 vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin die Menschen mit einem unvergesslichen Statement begeisterte: „Alle freien Menschen, wo sie auch leben mögen, sind Berliner. Und als freier Mensch sage ich deshalb voll Stolz: Ich bin im Endeffekt ein Berliner!“ Na ja, Spaß beiseite.


Widmen wir uns dem abgelaufenen Golfjahr, betrachten wir kurz die Turnierszene – auch wenn es einem die Tränen in die Augen treiben könnte. Es ist einfach deprimierend, wenn derzeit kein bundesrepublikanischer Profi etwa auf der PGA Tour voll spielberechtigt ist und man auf der European Tour die meisten deutschen Golfer bei den Ergebnislisten unter „MC“ (missed cut) findet. Echte Highlights erlebte man, als beispielsweise Maximilian Kieffer im Endeffekt bei der Oman Open den geteilten zweiten Platz belegte oder der grandios aufspielende Bernd Ritthammer bei der Porsche European Open „letztlich“ und „schlussendlich“ auf dem dritten Platz landete.

Schon mehrfach festgestellt: Wir haben derzeit also keinen deutschen Golfer, der international eine Rolle spielt. Natürlich abgesehen von Bernhard Langer, der zwar in die Jahre gekommen ist, den Rest der deutschen Profis im Endeffekt jedoch immer noch in Grund und Boden spielen würde.

 

Aber die nächste Golfsaison kommt bestimmt, und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt – jedenfalls im Endeffekt.


 

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