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Urs Zondler, Beuerberg-Chef

 

Ich will es nicht elitär haben!“

 

Die unglaublich reizvolle Lage von Beuerberg mit dem einmaligen Blick auf die Alpen hat den Schweizer Dr. Urs Zondler von Anfang an fasziniert. Und so konzipierte er 1982 mit dem schottischen Golfarchitekten Donald Harradine aufdem 119 ha großen Areal des Gutes Sterz einen klassischen 18-Loch-Meisterschaftsplatz, der schon bald Furore machte, inzwischen zum exklusiven Kreis der "Leading Golf Courses of Germany" und zu den "Finest Golf Clubs of the World" gehört. Der Platz, 1992 Aus- tragungsort der "European Ladies Open", wurde bereits mehrmals zum schönsten Golfplatz Deutschlands gekürt und ist derzeit No. 54 der TOP 100 European Courses. Doch Spielen ist nicht alles in Beuerberg. Der Club mit seinem anspruchsvollen Ambiente und der dennoch lockeren Atmosphäre ist weithin bekannt für seine exzellente Küche und eine erlesene Weinkarte. Beuerberg-Chef Zondler behauptet, nach der zweiten Flasche Aigle les Murailles sieht man von der Restaurant-Terasse aus den Mont Blanc. Wir haben uns mehrfach davon überzeugt: Es stimmt!

Isolde und Urs Zondler

?: Du hast einen top-ge- pflegten Platz mit einer gran- diosen Turnier- szene, nicht nur das moderate Greenfee son- dern auch die hochkarätige Gastronomie bestechen auch noch durch vernünftige Preise. Wieso klappt bei dir, was auf anderen Anlagen so oft misslingt?

 

UZ: Den anderen Club fehlt einfach eines: meine Frau Isolde. Sie ist sensationell, arbeitet 12 Stunden am Tag, sie ist immer da, immer scheißfreundlich, sie kümmert sich um alles und hat auch noch viel Spaß daran. Ein wenig zum Erfolg trage natürlich auch ich bei. Aber wenn ich mal zwei Jahre nicht in Beuerberg wäre, würde das gar nicht so auffallen. Wäre Isolde mal zwei Wochen weg, würde es drunter und drüber gehen.

 

?: Du bist ja ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Ist Beuerberg ein Hobby, oder verdienst du damit auch noch Geld?

 

UZ: Leben könnte ich nicht von Beuerberg. Aber ich habe nun durch meine geschäftliche Vergangenheit schon ein gewisses finanzielles Polster.

 

?: Ein großer Teil der deutschen Golfer hat, was seinen Sport angeht, unbestritten ein elitäres Empfinden. Würdest du sagen, dass Beuerberg von seiner Mitgliederstruktur her ein elitärer Club ist? Oder gibt es bei dir einfach nur Leute, die ein wenig mehr Geld haben als andere?

 

UZ: Nein, elitär sind wir nicht. Ich will es auch gar nicht elitär haben. Wir brauchen einfach nur 600 Leutchen, die gerne anständig futtern und in einer schönen Landschaft Golf spielen wollen. Bisher ist es mir gelungen, diese Leute zu bekommen. Alle anderen interessieren mich nicht.

 

?: Deine Küche ist weitgehend berühmt. Aber eine gute und auch noch preiswerte Küche kostet Geld.

 

UZ: Du musst das so sehen: Unsere exzellente Gastronomie fällt praktisch in das Werbebudget von Beuerberg. Ich versuche einfach, über mein Restaurant die Leute zu überzeugen, dass es besser ist, in Beuerberg Golf zu spielen und gut zu essen als anderswo. Hinzu kommt, dass wir auch sehr viele Nichtgolfer als Gastro-Gäste haben. Qualität spricht sich eben rum.

 

?: Es ist nicht ganz billig, in Beuerberg Mitglied zu sein. Wie sieht’s aus mit der Akquise neuer Golfer?

 

UZ: Als ich meinen Club baute, war das damals, in der Zeit der absoluten Golf-Euphorie, fast eine Lizenz zum Geld drucken. Es gab fünf Clubs rund um München. Heute gibt es in der weiteren Umgebung über fünfzig. Bei dieser Konkurrenz kannst du die Beiträge nicht mehr verlangen, die früher ganz normal waren. Ein weiteres Problem im deutschen Golf ist, dass sich die Treue zum Club fast aufgelöst hat.

 

?: Und wie reagiert man darauf?

 

UZ: Früher habe ich nie jemanden aufgenommen, der von einem anderen Club kam. Es gab natürlich Ausnahmen, beispielsweise dann, wenn einer von Hamburg nach München gezogen ist. Aber wenn einer von einem anderen Münchner Club bei mir Mitglied werden wollte, war ich sicher, dass der nur unzufrieden ist und sich bald auch bei mir nicht wohl fühlt und anfängt zu meckern. Heute sehe ich das etwas lockerer.

 

?: Die Mentalität der Golfer hat sich geändert?

 

UZ: Klar, sie wollen nur spielen, keine Geselligkeit mehr haben und möglichst wenig bezahlen.

 

Bayerischer Traumplatz: Der GC Beuerberg

?: Vom DGV, dem Deutschen Golf Verband, wird immer wie- der „Golf als Breitensport“ angepriesen. Fakt ist jedoch, dass Golf immer noch keine Akzeptanz etwa bei den TV-Medien findet, weder bei den privaten noch bei den „Öffentlich-Rechtlichen“. Tut der Deutsche Golf Ver- band wirklich genug, um Golf in der breiten Masse zu etablieren?

 

UZ: Der DGV ist eben einfach nur ein Verband, ein besserer Verein. Viele Deutsche sind sehr Golf-affin, und die will der DGV natürlich haben, denn die Leute in Wiesbaden bekommen ja von jedem Golfer ihre 30 bis 40 Euro im Jahr. Und wenn sie mehr hätten, dann würden sie auch mehr Geld kriegen. Eine verständliche Haltung. Als ich anfing, war noch Jan Brügelmann DGV-Präsident, dann kam Wolfgang Scheuer und jetzt ist Hans Joachim Nothelfer am Ruder. Alles gute Leute. Der Verband ist, zugegeben, ja sehr gut organisiert. Aber die Interessen des Verbands sind nicht gleichgerichtet mit unseren.

 

?: Der Verband hat immerhin viele Initiativen in die Wege geleitet.

 

UZ: Wenn der DGV „play golf have fun“ und weiß der Teufel was für 19,90 Euro initiiert, dann sind das ja nicht die Leute, die den Golfsport wirklich bezahlen können. Dieser Sport kostet eben etwas. Und es kostet auch eine Menge, einen Golfplatz zu unterhalten. Wer soll das bezahlen? Etwa die, die einen Schnupperkurs für rund 20 Euro kaufen?

 

?: Der Deutsche Golf Verband unterhält mit der VcG (Anm. d. Red.: Vereinigung clubfreier Golfer) ein Unternehmen, dass clubfreie Billigmitgliedschaften verkauft. Man will damit Menschen für den Golfsport interessieren und sie schließlich über die VcG nach einiger Zeit in die Clubs bringen. Ist das der richtige Weg in Richtung Breitensport?

 

UZ: Nonsens. Zu mir kamen schon VcGler mit Handicap 8. Die dachten gar nicht daran, in einen regulären Club überzuwechseln. Ich habe eine dreiseitige Liste mit Clubs, die Fernmitgliedschaften verscheppern. Wer nicht einem vernünftigen, ehrlichen Club angehört, bezahlt bei mir ein deutlich höheres Greenfee. Früher hab’ ich die bei mir überhaupt nicht spielen lassen. Aber was mich wirklich sehr ärgert: Die VcG nimmt Millionen ein und besitzt nicht mal einen eigenen Platz. Was soll das eigentlich?

 

?: Es gibt eine bekannte Golf-Destination in Bayern, in der viele prominente Golfer Fernmitgliedschaften haben. Wenn so ein Promi zu dir kommt, darf er spielen? Und wenn ja, zu einem erhöhten Greenfee?

 

UZ (lacht): Was für eine Fangfrage. Mein Gott, natürlich darf er spielen. Meist auch umsonst. Man kennt sich ja, mit vielen prominenten Golfern bin ich sogar befreundet. Da muss die Ausnahme die Regel bestätigen. Und damit habe ich auch kein Problem. Ehrlich gesagt erhöhen bekannte Persönlichkeiten, wenn sie auf deiner Anlage spielen, auch den Unter- haltungswert für normalsterbliche Golfer.

 

?: Mit prominenten Clubmitgliedern gehen Golfclubs gerne hausieren.

 

UZ: Stimmt. Da gibt es beispielsweise einen Club im Münchner Umfeld, der sagt, wir nehmen nur vornehme Leute auf. Toll, aber woher nehmen? Die wachsen ja nicht auf den Bäumen. Und ist vornehm auch immer gut?

 

?: Eine Prognose zur Zukunft des Golfsports in Deutschland?

 

Neue Cartflotte in Beuerberg

UZ: Ich glaube, dass das heute bereits relativ hohe Durchschnittsalter der Golfer weiter ansteigt. Und alte Leute haben Pro- bleme mit dem Gehen. Also wer- den die Carts immer wichtiger. Ich will meine Leute ja nicht verlieren und habe deshalb für ein Schweinegeld in Beuerberg Cart-Wege anlegen lassen. Inzwischen können wir 30 Carts anbieten, derzeit plane ich eine Garage für 100 Carts. Keine Frage, wir müssen uns auf ältere Golfer einstellen.

 

?: Du bist ja ein bekennender Zocker und gehst bevorzugt mit Howard Carpendale und Heiner Lau- terbach auf die Runde. Um wie viel Geld geht es da im Schnitt?

 

UZ: Wenn es auch traurig stimmen mag, aber wir sind viel billiger geworden. Die höchste Partie, die früher, allerdings nicht mit den beiden, gespielt wurde waren 500 Mark pro Loch mit Contra und Re. Das war eine gute Kohle, da wechselten schon mal locker 20.000 Mark die Hand. Aber ehrlich gesagt: Es ärgert einen, wenn man einem Freund Geld wegnimmt, andererseits ist es auch betrüblich, sich von viel Geld zu verabschieden. Beim heutigen Zock wird man mit viel Pech höchstens um die 1.000 Euro los. Was kurios ist: Bei Turnieren spiele ich grauenvoll, beim Zocken bin ich extrem konzentriert und cool und spiele deutlich besser.

 

?: Wo liegt dein Problem beim Turnierspiel?

 

UZ: Es gibt nicht wirklich eines. Was ich nicht verstehe: Wenn Leute vor einem Turnier feuchte Pfoten bekommen. Liege ich bei der 17 beispielsweise immer noch gut im Spiel, dann schiebe ich ein paar Schläge ein, denn ich will doch mein Handicap nicht runterspielen.

 

?: Deutsche Golfer sind extrem bestrebt, auf ihrer Karte ein niedriges Handicap stehen zu haben. Welcher Wahn ist das denn?

 

UZ: Wahn ist das richtige Wort. Ich wollte früher ja auch unbedingt einstellig sein und habe das auf einem leichten amerikanischen Platz bei Garmisch auch geschafft. Dann gab es da ein Erlebnis auf einem Platz bei Pebble Beach in Kalifornien. Der liebe Gott ließ mich die einzige Par-Runde meines Lebens spielen – und danach musste ich meinem Mitspieler, der Handicap 17 hatte, beim Zock 80 Dollar in die Hand drücken. Heute strebe ich Handicap 30 an.

 

 

Urs Zondler, Liz von Bonin

?: Vielleicht möch- test du den folg- enden Satz kurz und knapp been- den: Betrüger und Handicapschoner sollte man …

 

UZ: Puh, das ist jetzt schwer. Betrü- ger sind ohnehin Idioten. HCP-Schoner können gute und intelligente Leute sein, aber man muss sie halt entweder vom Zocken fernhalten oder aber vor dem ersten Abschlag ein sogenanntes „Zock-Handicap“ vereinbaren. Es gibt Handicaps, die sind ehrlich, und es gibt Turnier-Handicaps, da lache ich mich krank.

 

?: Du hast ein Buch mit dem Titel „Golfregeln kapiert“ geschrieben. Jetzt gibt es die neuen Regen, alleine die Decissions umfassen mehr als 1.000 Seiten. Ist das alles nicht zu kompliziert?

 

UZ: Nur wenn du diese Decissions vier- bis fünfmal durcharbeitest, dann kannst du auch die Regeln beherrschen. In Deutschland kennen vielleicht fünf Leute die Regeln, alle anderen sind überfordert. Ich habe die neuen Decissions mehrmals durchgearbeitet, dann habe ich die Regeln einigermaßen kapiert. Eigentlich muss man alles auswendig lernen.

 

?: Gibt es zu viele Regeln?

 

UZ: Es gibt nicht zu viele Regeln, aber zu viele Versuche, die Regeln fair zu gestalten.

 

?: Du hast die Wahl: eine Runde mit der knallharten Zockerin Laura Davies oder lieber mit der Emotions- maschine Bernhard Langer, in beiden Fällen natürlich mit voller Vorgabe?

 

UZ: Schon wieder eine schwere Frage. Ich durfte mit beiden schon spielen. Lieber würde ich mit Laura Davies spielen. Zwar sind beide auffallend nett, aber Laura ist zudem sehr offen und bereit, über Golfarchitektur ergebnisoffen zu diskutieren. Wir haben uns ausgiebig darüber unterhalten, dass Plätze für Frauen immer nur Abfall der männlichen Philosophie sind. Ich habe mit ihr diskutiert, ob wir nicht einen Platz bauen, bei dem die Frauenabschläge nicht vorne sondern seitlich sind. Nur ein Beispiel: Bei einem 400 Meter langen Männer-Par 4 liegen die Bunker bei etwa 190 bis 200 Meter. Frauen können 16 Prozent weniger weit schlagen als Männer, das heißt, ein fairer Damenabschlag wäre an diesem Loch bei rund 334 Meter anzulegen. Für eine Frau ist der Bunker bei 200 Meter gar nicht relevant. Wenn ich jemals noch etwas baue, dann ist die Laura meine Architektin.

 

Gefürchtet: Siegerehrungen von Urs Zondler

?: Was nervt bei einer Runde eigentlich mehr: Männer oder Frauen?

 

UZ: Am meisten nerven mich die Arschlöcher, und die gibt es in jedem Geschlecht. Ich spiele am liebsten mit netten Leuten und da bevorzugt mit jenen, die gerne zocken. Ob Frauen oder Männer.

 

?: Deine Reden bei Sieger- ehrungen sind legendär. Oder besser gesagt: gefürchtet. Du machst sie alle nieder, ob Männlein oder Weiblein. Dürfen Turnierspieler in Beuerberg irgendwann auf eine beginnende Altersmilde hoffen?

 

UZ: Ich hoffe es nicht. Die Leute wollen doch gerne lachen. Viele nehmen sich viel zu ernst. Ich will ja nicht blöd werden und nur noch irgendetwas vorlesen. Nein, bei meinen Siegerehrungen gibt es eine gewisse Erwartungshaltung. Irgendwann muss man auch eine dreckige Bemerkung machen, und das ist nicht nur kreativ, sondern manchmal sogar ziemlich schwer.

?: Beuerberg war ja von der ersten Stunde an Mitglied der „Leading Golf Courses of Germany“. Du warst kurz- fristig auch Präsident dieser Werte- und Qualitätsge- meinschaft in Sachen Golf. Dann gab es Zoff mit den Mitgliedern, sogar einen Misstrauensantrag gegen dich. Weshalb?

 

UZ: Wir sind eine Qualitäts-Gemeinschaft. Mein Platz ist durch die mehrmaligen jährlichen Kontrollen in den letzten Jahren immer besser geworden. Ich wollte als Präsident einige wichtige Dinge einführen, zum Beispiel einen gemeinsamen Preisvergleich im Greenkeeping. Da dadurch Mauscheleien im Einkauf erschwert worden wären, haben einige sehr laut aufgeschrieen. Deshalb hat man bei der Mitgliederversammlung mehrheitlich gegen mich gestimmt und ich habe daraufhin gesagt, dann höre ich eben auf. Das ist wie bei den Löwen. Da sind mehrere junge Löwen, die den alten Löwen wegbeißen.

 

?: Schlussfrage, welchen Stellenwert nimmt Golf in deinem Leben auf einer Skala von 1 bis 10 ein?

 

UZ: Schon wieder so eine Frage. Was ist schon wichtig im Leben. Es gibt einige Dinge, denen ich 10 Punkte geben würde, meiner Isolde beispielsweise. Golf? Das rangiert je nach Situation zwischen 1 und 10.

 

Interview: Liz von Bonin

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