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11. September 2015

 

Golfen im Elsass

 

Wundervolle Affären

 

Golfplätze mit Frauen zu vergleichen – auf diese Idee muss man erstmal kommen. Doch letztlich ist es ja nichts anderes als eine Liebeserklärung, denn die Plätze im Elsass sind eben nun mal wie Frauen: attraktiv, unterschiedlich, unwiderstehlich!

 

Groß ist der Ruf, klein das Land: 190 Kilometer lang, 50 Kilometer breit – das Elsass, gelegen zwischen Rhein und Vogesen, ist flächenmäßig zwar die kleinste Region Frankreichs, mit seinen vielfältigen kulturellen und gastronomischen Facetten jedoch ein Gigant. Wer an das Elsass denkt (und früher in der Schule aufgepasst hat), dem werden sofort das Straßburger Münster mit seiner einmaligen astronomischen Uhr und der berühmte Isenheimer Altar in Colmar einfallen. In der Mehrzahl dürften jedoch die Genießer sein, die das Elsass spontan mit seiner Kulinarik verbinden: den köstlichen Choucroute-Gerichten (Sauerkraut mit durchwachsenem Speck, geräucherten Mettwürstchen, Rippchen und Schweinebauch), Gänseleber, Baeckeoffe (Gemüse-Fleisch-Eintopf) und Gugelhupf oder den herrlichen Tropfen, die in den Elsässer Weinkellern heranreifen.

Doch in dieser wundervollen Gegend zwischen Vogesen und Rhein ist noch etwas Feines herangereift: zehn ebenso unterschiedliche wie unwiderstehliche Golfplätze, die alle ihren besonderen Reiz vermitteln. Beginnen wir im elsässischen Norden.

Soufflenheim

Das „Fore“ war nicht zu hören – der Einschlag kam unerwartet, zwei Meter neben mir, auf der dritten Bahn des Golfclubs Soufflenheim. Und weil der Spieler ein Gentleman war, bestand er auf Wiedergutmachung im „19er“. Als er später, nach der fünften „Wiedergutmachung“ (ein wundervoller Riesling), davon erzählte, dass er Golfplätze wie Frauen charakterisiere und dabei im Elsass schon „wunderbare golferische Affairen“ erlebte, fand ich das einen durchaus interessanten Aspekt.

Soufflenheim also – das wäre dann die „schöne Sportliche mit dem romantischen Touch“. Bernhard Langer hat hier, jeweils nur 25 Autominuten von Baden-Baden und Straßburg entfernt, einst ein kleines, paradiesisches Golfjuwel mit 18 kleinen Seen geschaffen. Präzision ist gefragt, mitunter spielt man – wie auf der 6. Spielbahn (Par 4, 412 Meter von Weiß, HCP 1) – an kleinen Ozeanen entlang. Neben dem sehr anspruchsvollen Championship Course (Par 72, 6.357 Meter) gibt es heute noch einen 9-Loch-Platz für Anfänger und einen Pitch-and-Putt-Platz mit 6 Löchern für Golfeinsteiger.

Wantzenau

Eine „voll erblühte Landschönheit“ liegt rund 20 Minuten südlich von Soufflenheim – der Golfclub de la Wantzenau (Par 72, 6.173 Meter), ein in sich runder, gediege- ner Platz. Doch Vorsicht: Schaut man sich den Birdie-Maker an, sieht man fast ebenso viel Blau wie Grün. Und das kann, etwa auf der 16. Spielbahn (470 Meter, Par 5), geradewegs in die Katastrophe führen – die gesamte rechte Fairwayseite grenzt bis zum Grün an Wasser.

Kleiner Trost: Die Wasserspiele von Wantzenau lassen sich hervorragend mit kulinarischen Genüssen verbinden – im nur fünf Minuten entfernten Restaurant Au Moulin. Philippe Clauss, Spross einer alten Köche-Familie, steht hier am Herd. Unbedingt probieren: „Le Poussin Mère Clauss“, würzig, dunkelbraun gebraten, hell und saftig innen, mit einer traumhaften Sauce; das Rezept für ein junges Hähnchen hat Philippes Ur-Großmutter vor 100 Jahren erfunden. Dazu das eine oder andere Gläschen Elsässer Riesling, und dann legt man das genussschwere Haupt gerne ein paar Meter weiter zu Bett – im romantischen Hotel Le Moulin de la Wantzenau, eine ehemalige Mühle.

Strasbourg-Illkirch

Die Golftour führt weiter in den Süden von Straßburg, wo der brave Golf-Pilger inzwischen natürlich das überwältigende Münster besucht hat. Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, in Illkirch-Graffenstaden, liegt der Golfclub Strasbourg – eine „etwas blasierte und sehr gepflegte Dame“, die sich geheimnisvoller gibt, als sie es wirklich ist. Hier erlebt man zwar kein aufregendes Abenteuer, doch immerhin einen Genuss ohne Reue. Den dritten Kurs der 27-Loch-Anlage, den ‘Parcours Rouge’, sollte man sich als Belohnung bis zum Schluss aufheben: alter, hoher Baumbestand, reizvolle schmale Spielbahnen, interessante Wasserhindernisse.

Kempferhof

Nur wenige Kilometer entfernt wartet sie – die „schaumgeborene Aphrodite, Göttin ew’ger Schönheit“: der Golfclub Le Kempferhof. Eine faszinierende und prachtvolle Venus, für die man bereit ist, spielerisch alles aufzugeben. Doch dabei landet man bekanntlich entweder im Himmel oder in der Hölle. Meist in beidem. Malerische Seen, Teiche und Wasserläufe, unzählige sanfte Buckel und Dünen – 18 Löcher in einer außergewöhnlich harmonischen Verbindung mit der vorhandenen Natur. Eine besonders hübsche Verführung: die 7. Spielbahn, ein Par mit 153 Metern Länge (von Weiß). Das Grün liegt auf einer kleinen Halbinsel in einem großen Teich. Nicht einen Spieler habe ich erlebt, der bei diesem wildromantischen Loch die sichere linke Seite gewählt hätte.

Im Kempferhof kann man, von den spielerischen und lukullischen Genüssen einmal abgesehen, natürlich auch standesgemäß wohnen – entweder im 1868 erbauten Schlösschen, dessen Architektur man eher in Schottland vermuten würde, oder in den angegliederten Nebengebäuden.

Auf dem weiteren Weg nach Süden sollte man die „Route du Vin“ benützen und bei der Fahrt entlang der malerischen Weinberge den unvergleichlichen Charme der Elässer Weinorte entdecken. Saint-Hippolyte etwa, am Fuße der Hoch-Königsburg; Ribeauvillé, in dem es auf fast allen Türmen Storchennester gibt; oder die der einmalige Fachwerk-Idylle Riquewihr. Die Weinberge ringsum? Fast die Hälfte ist eine Grand-Cru-Zone, Basis also für echten „Edelstoff“. In den diversen Weingütern kann man in Ruhe die Weine verkosten und kaufen – um anschließend nach Ammerschwihr weiterzufahren.

Ammerschwihr

Und dort lauert sie bereits – die mit einem besonders rauen Charme gesegnete „wilde Bergbauernmaid“. Sie macht es einem nicht leicht. Schon die Driving-Range, die von den Abschlägen aus in einem Winkel von rund 45 Grad ansteigt, signalisiert: Wer Golf mit Bergsteigen verbinden will, ist im Golf d’Ammerschwihr genau richtig. Natürlich gibt es auch Fairways, bei denen der Ball nach dem Auftreffen nicht seitlich ins Nirwana abrollt. Meist aber: Schräglagen, Roughs ohne Ende, querverlaufende Einschnitte, Senken und kleine Schluchten, bergauf und bergab.

Und trotzdem gibt es drei handfeste Gründe, weshalb man diesen Platz (Par 70, 5.348 Meter) einmal spielen sollte: wundervolle Aussichten, die ultimative Herausforderung eines hochspannenden Layouts – und schließlich Golfcarts, die alle Konditionsschwächen ausbügeln.

Noch zwei Sterne-Tipps für Genießer: Nahe des Golfplatzes liegt das einzige elsässische 5-Sterne-Hotel „Hotel des Berges“; eine Übernachtung dort sollte man mit einem Abendessen bei Marc Haeberlin in der legendären „Auberge de l’Ill“ verbinden, dem einzigen Restaurant im Elsass, das drei Michelin-Sterne besitzt.

Alsace

Die “erfrischend Lockere und Selbstbewusste“ – besser kann man den Alsace Golf Club, etwa 20 Kilometer südlich von Colmar, nicht beschreiben. Clubhaus und Restaurant der 18-Loch-Anlage sind in historischen Mühlegebäuden unter- gebracht. Dass der Parcours (Par 72, 6.410 Meter) mit seinen leicht wellenförmigen Fairways und dem Schilfgras einen Touch von Links Courses besitzt, wundert nicht – Gestalter und Geschäftsführer ist der Ire David Abercrombie. Und er legt größten Wert darauf, dass es dort unkompliziert zugeht, wenngleich auf dem Platz dennoch die Etikette bewahrt wird.

Letztere sollte man auch be- herrschen, wenn man im noblen, knapp drei Kilometer entfernten Schlosshotel Chateau d’Isenbourg (mit schö nem  Spa-Bereich) übernachten möchte. Das luxuriöse Haus bietet eine ausgezeichnete Gastronomie.

Bouleaux

Das nächste Date präsentiert uns ein „frisches und lebenslustiges Geschöpf“, das allerdings für schnelle Abenteuer nicht zu haben ist: Le Golf des Bouleaux. Diesen soliden und sportlichen 18-Loch-Platz (5.772 Meter) muss man sich erobern, um ihn dann in vollen Zügen zu genießen. Aber Achtung: Unsaubere Schläge werden hier vom lieben Golfgott sofort bestraft. Der Bouleaux-Course ist umgeben von Wald und Wasser, eine herrliche Naturidylle mit großem Vogelreichtum. Auf der Anlage sind mehr als 30 Nistkästen für die über 70 Vogelarten aufgestellt. Die gepflegten Spielbahnen haben auch herrlich passende Namen, wie etwa die 5 (Coucou gris/grauer Kuckuck) oder die 14 (Mésange huppée/meckernde Meise). Golf und Natur – in Bouleaux eine perfekte Kombination.

Ein weiteres Plus ist Cosimo, der italienische Wirt. Mit seinem Club-Restaurant hat er sich auch bei Nichtgolfern einen Namen gemacht. Heißer Tipp: Tagliatelle mit Gambas und Gemüse – einfach sensationell.

 

Chalampé

Im Golf du Rhin treffen wir auf sie – auf die „elegante und attraktive Salonlöwin“, bei der man erst auf dem zweiten Blick entdeckt, dass hinter der kühlen 18-Löcher-Fassade ein gefährliches Feuer blitzt. Der außerordentlich gepflegte Platz (Par 72, 6.272 Meter) liegt in unmittelbarer Grenznähe zu Deutschland, mitten in einem Naturschutzgebiet auf einer Insel zwischen dem Rhein und dem Grand Canal d’Alsace. Man schwebt auf weichen Fairways, die relativ schmalen Spielbahnen verlaufen topfeben, jeweils neun Löcher parallel zueinander, ohne ein einziges Wasserhindernis. Das alles sieht einfacher aus, als es in Wirklichkeit ist. Präzises Spiel wird gefordert, die schmalen Gassen können ehrgeizige Weitenjäger gnadenlos ins Elend stürzen. Nicht umsonst zählt Golf du Rhin zu den schwersten Plätzen in Frankreich. Und zu den saubersten: Als erster französischer Golfclub erhielt er vor kurzem das hochbegehrte Öko-Zertifikat von der schottischen Non-Profit-Organisation GEO Sustainability Associate (GEOSA).

Hombourg

Rund 15 Autominuten östlich von Mulhouse werden wir von einer „sehr attraktiven Üppigen“ empfangen – im Golf du Château de Hombourg. Gleich zwei 18-Loch-Anlagen sind hier im Angebot, der Schloss- und Burgplatz. Die beiden idyllischen Kurse, ausgehend von einem beeindruckenden Château, wurden harmonisch in die Landschaft integriert. Auf den hin und wieder schmalen, leicht ondulierten und außerordentlich gepflegten Spielbahnen mit viel altem Baumbestand finden alle Golfer, ob erfahrene Spieler oder Anfänger, ihre Herausforderungen. Doch wie bei allen anderen Golfplätzen schadet es auch hier nicht, Schläge manchmal taktisch anzulegen.

La Largue

Auf der letzten und südlichsten Station unserer Elsass-Golfreise haben wir in Mooslargue ein besonderes Rendezvous: mit einem „Top-Model und anspruchsvollen Luxusweib“, dem Golf & Country Club de la Largue. Schon das mehrstöckige Clubhaus (mit Lift) ist vom Feinsten; eine Lobby wie in einem First-Class-Hotel, zwei Stockwerke tiefer das exzellente Restaurant; von der Terrasse aus ein grandioser Blick auf die Landschaft.

Den 9-Loch-Trainingsplatz darf jeder spielen, für die hügeligen 18 Top-Löcher (Par 72, 6.142 Meter) dagegen ist Handicap 36 erforderlich. La Largue spielt man nicht einfach – man muss den Championship Course irgendwie erobern. Die Spielbahnen sind perfekt in die leicht hügelige Landschaft eingebettet. Eines der schönsten Löcher ist das zehnte – ein Par 3 (HC 10) mit stolzen 218 Metern von Weiß: Man spielt wie in eine kleine Arena hinunter, links und rechts Wald und Buschwerk, vor dem relativ großen, schattigen Grün zwei Weiher, das Grün selbst umgeben von einer kleinen Baumgruppe. Wenn Golfer von Löchern träumen, dann sehen sie so aus.

Es gibt Orte, an denen man sich auf Anhieb wohl fühlt. Das Elsass gehört dazu, hier stimmt einfach alles: die freundlichen Menschen und harmonischen Landschaften, Unterkünfte und Gastronomie, Kunst und Kultur – und natürlich auch das Angebot an herrlichen Golfplätzen. Bleibt nur ein Fazit: Nichts wie hin – am besten gleich im Herbst, wenn die Natur einem gewaltigen Farbenrausch erliegt, wenn die „reizvollen Schönen“ im Elsass mit einem perfekten Make up ungeahnte Leidenschaften wecken und spielerische Affären versprechen, die man so schnell nicht vergessen wird.

 

Fred König

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Golfplätze im Elsass

 

Golf International Soufflenheim

Baden-Baden S.A.

www.golfclub-soufflenheim.com

 

Golf de la Wantzenau

www.golf-wantzenau.fr

 

Golf de Strasbourg-Illkirch

www.golf-strasbourg.com

 

Golf du Kempferhof

www.golf-kempferhof.com

 

Golf d’Ammerschwihr

www.golf-ammerschwihr.com

 

Alsace GolfClub

www.alsacegolfclub.com

 

Golf des Bouleaux

www.golf-bouleaux.asso.fr

 

Golf du Rhin

www.golf-rhin.com

 

Golf du chateau de Hombourg

www.drei-thermen-golfresort.de

 

Golf & Country Club de la Largue

www.golf-lalargue.com

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